In seinem Vorwort zu den Liedern von Cyrnos bemerkte der Lehrer Paul Arrighi schon 1932 das, was er als sichere Zeichen f�r die Entwicklung dieser Musik bezeichnete:
"Durch die seltsame und gerechtfertigte Wiederbelebung der Musik sorgt der Fortschritt, den ich einst beschuldigte, unsere Lieder zu t�ten, mit seinen wundervollen Instrumenten f�r deren Erhaltung und Verbreitung in gro�em Umfang."
Was ist mit der aktuellen Wiederbelebung?
Heute beobachten wir S�nger, die auf internationalen, gro�en B�hnen einige der �ltesten Formen unserer Polyphonie vortragen. Ein gro�es Publikum applaudiert diesen traditionellen Kompositionen und ist sogar begeistert �ber diese neue korsische Musik.
Es gibt nichts nat�rlicheres als diese fr�hliche
Wiederaufleben.
Die 70er waren die Jahre des Riacquistu, eine Bewegung
f�r die Zur�ckeroberung des kulturellen Erbes.
Durch ihre Investition in diese dynamische Ausdrucksweise, haben die jungen Leute dem Gesang die zentrale Bedeutung zur�ckgegeben, die er in der d�rflichen Gemeinschaft schon immer hatte. �ber viele Generationen hinweg wurden seine tiefe Sensibilit�t und geheimen Tr�ume gen�hrt.
Selbstverst�ndlich tauchten auch auf Korsika, wie in allen modernen Gesellschaften, Ver�nderungen auf, die manche Lieder, die mit allt�glichen Gewohnheiten einhergingen, in Vergessenheit geraten lie�en.
Der neue Lebensstil lie� die Nanne - Schlaflieder -, die M�tter ihren Kindern vorsangen verschwinden. Auch die jungen Leute singen die schmachtenden Serinati nicht mehr f�r ihre Liebsten und die Tribierre der Erntearbeiter erklingen nicht mehr auf den Feldern...
Schon seit langer Zeit sind die Voceri verschwunden: die Klagelieder der Frauen, die einen so gro�en Einflu� auf die romantischen Wanderer des letzten Jahrhunderts hatten.
Paul de Saint-Victor, der die weinenden Frauen beobachtete, best�tigt:
"Der Trauerchor von Sophokles hatte keine erhabenere Stimme als die einer einfachen alten Frau in einem unbedeutendem korsischen Dorf."
Obwohl all diese Sch�pfungen von rauher Sch�nheit verschwunden sind, hat das Wesentliche wie ein Wunder �berlebt: in Korsika singt man noch immer und so wird es f�r immer bleiben.
Dieses Wunder, in seinen beiden klassischen Auspr�gungen des einstimmigen und polyphonen Gesangs, erlaubt es uns, eine Musik zu genie�en, die sich trotz der starken Weiterentwicklung der urspr�nglichen Form, ihre authentische Ausdruckskraft erhalten hat.
Der Paghjella, polyphoner Gesang, kombiniert
harmonisch drei Stimmlagen: a segonda, die den Anfang
macht, gibt den Ton an und tr�gt die Melodie; u bassu,
die danach einsetzt, begleitet und unterst�tzt sie; schlie�lich
a terza, die h�chste, die den Gesang hingebungsvoll
bereichert.
Wenn man ihn mit den verwandten Musikformen vergleicht, erstaunt
am korsischen Paghjella neben seinem melodischen Charakter seine
�berraschende Vitalit�t und sein profane Natur.
Nachdem er eine lange Periode von Desinteresse �berlebte, wurde
er in den 70er Jahren durch die f�hrende Band Canta u populu
corsu wiederentdeckt.
Heutzutage investieren die jungen Menschen wieder in dieses
Erbe. Frauen singen ein Lied, das fr�her ausschlie�lich von
M�nnern gesungen wurde.
Der Paghjella wird von begleiteten Solisten wie Ghjuvan Paulu
Poletti, Antone Ciosi und Petru Guelfucci
vorgetragen.
Stimmgewaltigere Gruppen wie: I Muvrini, A Filetta, Voci di
Corsica, NPC, DonnisuLana (Frauenchor), I Chjami Aghjalesi...
erfreuen sich heutzutage gro�er Beliebtheit.
Nicht zu vergessen Patrizia Poli, die Band Ottobre oder Zia
Divota, die sich ihre Inspirationen beim Jazz oder Rock
entleihen..
Ein interessanter Beitrag zum Thema Musikforschung sind auch
die erfolgreichen Unternehmungen zur Restauration traditioneller
Instru-
mente, zu denen auch die Cetera, eines der
bemerkenswertesten, geh�rt.
Diese 16-saitige korsische Zitter, deren Ursprung wahrscheinlich im mittelalterlichen Italien liegt, wurde aus den wenigen erhaltenen Modellen von auf Saiteninstrumenten spezialisierten Handwerkern wiedererschaffen. Dieses Instrument wird harmonisch in altert�mliche Orchester integriert und bereichert manchmal zeitgen�ssische Produktionen mit urspr�nglichen Kl�ngen.
Sicherlich k�nnen wir uns die berechtigte Frage stellen, ob wir durch zuviel Show, zuviel Spektakel nicht das Risiko eingehen, den korsischen Gesang aus seinem fundamentalen Gleichgewicht zu rei�en. Aber wie Professor Fernand Ettori sagt:
in einer Zivilisation, die scheinbar vom Zeitalter des geschriebenen Wortes zu audiovisuellen Techniken �bergehen will, hat die alte korsische Poesie noch einige wenige Chancen wieder in einer neuen, dem v�llig anderen �konomischen und sozialen Kontext angepa�ter Form, zu erbl�hen.
Wollen wir hoffen, das die Zukunft diesen Weg als den Richtigen erweist.
Jacques Fusina Akademischer Texter und Poet
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