Das Fesch-Museum

Das Fesch-Museum


Das Bild von Fesch

Ajaccio besitzt ein der schönsten regionalen Museen Frankreichs; zugleich für die Architektur seiner Umrisse aber auch, weil es sechs Jahrhunderte der Malerei umfasst.

Nicht alle Korsen wissen es und zahlreiche Fremden wissen es nicht.
Dieses Museum hat eine unruhige Geschichte, einen Mäzen-Kardinal, eine lange Ruhezeit und eine überraschende Wiedergeburt.

Joseph Fesch, der Mäzen-Kardinal, ist eine Person über welche bis dato keine neutrale Biographie besteht und dessen Legende die richtige Persönlichkeit verwirren zu haben scheint. Und das ist richtig Schade,... dieser Mann hat es verdient, daß man beim Lauf eines - sicherlich außergewöhnlichen - Lebens hängen bleibt. 

Bei der Familie Fesch ereignet sich alles im Sturmschritt.
Um die Ramolino-Witwe zu heiraten, lehnt sein Vater - ein schweizerischer Leutnant im Dienst Genuas - das Protestantismus ab und bekehrt sich zum Katholizismus

Sein Sohn, Joseph Fesch, wird mit 24, nach einem Studium in der religiösen Internatsschule von Aix en Provence, Archidiakon von Ajaccio.  Joseph ist der Halbbruder von der dreizehn Jahre älteren  Laetitia Bonaparte, die Mutter von Napoléon; so daß er nur sechs Jahre vor Demjenigen, der von seiner Kindheit her den Stern am Stirn trägt, zur Welt kam. Es gibt keine Zweifel daran, daß der angehende Kardinal sehr früh den scharfen Verstand seines Neffen, der in das Pantheon der Geschichte eingehen wird, entdeckte.

Innerhalb einer knappen Generation wird die Richtung gewechselt; man verbleibt dabei trotzdem im Schoß der Christenheit. Die Zeit war zugegeben für solche Änderungen günstig.

Um eine Dynamik, die er sich zu Eigen gemacht hat, gerecht zu werden, wird der Archidiakon zum Vikar des Bischofs von Korsika ernannt.

Aus Treue zu Frankreich, während Pascal Paoli Verbündeter der Engländer geworden ist, verläßt er Korsika mit Laetitia, in Begleitung von vier ihrer sieben Kinder und erreicht Toulon. Dort tauscht er sein Priestergewand gegen den Militätanzug um. Er ist bereits dreizig geworden.

Er wird mit dem Militärbedarf beauftragt (vielmehr beauftragt er sich selbst damit!). Die Stelle muß gewinnbringend sein, da vom Armutzustand, in welchem er sich befand, als er das Festland erreichte, spürt man, daß ihm in kurzer Zeit eine finanzielle Wohlhabenheit erreicht. Dieser eigenartige Priester besitzt offensichtlich eine starke Zuneigung für Geld.

Neun Jahre später kehrt er zum religiösen Leben zurück, welches er von nun an nicht mehr verlassen wird.

Seitdem wird es ihm an Titeln, Würden und Ehren nicht mehr mangeln... sein Neffe hat sicherlich einiges damit zu tun. Dies ist so wahrscheinlich, daß er mit weniger als 40 Jahren als Erzbischof von Lyon eingesetzt wird.

Ab diesem Zeitpunkt wird er ein wesentlicher Mitwirker in der Geschichte seiner Zeit

Dieser Mann ist wahrhaftig ein Multitalent: als Führer von Verhandlungen, raffinierter Diplomat, scharfsichtiger Politiker könnte er (einzig) durch seine Verfügbarkeit und seine Machtgier faszinieren. Es wäre ohne diesen vollendeten Kunstfertigkeiten eine Besessenheit für Malerei, Gravüre, Skulptur, Möbelstücke, Gegenstände hinzuzufügen. In der Tat, für alles was rar und wertvoll ist, alles was das Auge begehrt und den Geist anregt.

Was überraschend ist, ist diese Habgier. Seine "Große Galerie" zählte nach der Aufstellung, die 1839 erstellt wurde, 16000 Gemälde (hauptsächlich von Malern aus den XVIten und XVIIten Jahrhunderten). Mehr als die damaligen Museen an ihren Wandleisten aufhängen konnten!

Dieser Sammelwahn: "auf der Suche nach wertvollen Gemälden klapperte er ständig die Händler ab", diese Kaufsucht läßt ihn an seinen römischen Prokurist folgendes schreiben: "Sie dürfen nicht daran denken, mir mittelmäßige Gemälde zu verschaffen, ich brauche Schönes und Gutes, sonst Nichts."

Diese übermäßige Leidenschaft für die Malerei kommt aus Italien, wo er hauptsächlich sein Leben verbrach. Offensichtlich prägt die Kunst dieses Landes die Kultur, die Sprache, die Architektur, die Formen, die Fresken; alles steht in Harmonie mit der Empfindlichkeit des Prälats. 

In diesem Land wechseln außerdem die Gemälde leicht den Besitzer. Die heiligen Werken der Kirchen und Klöster werden manschmal, um den Plünderungen zu entkommen, beschlagnahmt oder verkauft. Man sagt dem Kardinal nach, er kaufe scharenweise ab, in der Hoffnung ein kostbares Kunstwerk zu ergattern... Wie ein Spieler hatte er Angst, ein Kunstwerk könnte ihm entgehen. In diesem Sammler-Benehmen gibt es sicherlich einen gewissen Stolzanteil, eine Neigung Sachen für sich zu erhalten, koste was es wolle, und gleichzeitig den Willen Macht über die Anderen auszuüben.  

Somit wird der Kardinal sein Leben lang ein Kunstliebhaber sein, der innerlich von der Glut der Leidenschaft bestrahlt wird.

Anderthalb Jahrhunderte nach seinem Tod bezeugen die Gemälde, die sich im Museum, das seinen Namen trägt, befinden, davon.  

                                        Jérôme Camilly Journalist-Verfasser

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