Küsten
und
Ufer


 Korsisches Kap[Foto Desjobert]


Die Küsten und Ufer entfalten sich vor Ihnen wie ein schönes Gedicht

Ein Grundriß, den ein kleiner korsischer Schuljunge mit geschlossenen Augen zeichnen könnte.

Zuerst zeichnet er, wie den schiefernen Daumen eines Siegers, das Cap Corse, mit seinem Osthang, der ein wenig hügelig ist und kleine grüne Flecken hat. Sie symbolisieren die Landwirtschaft wie z. B. Futteranbau und kleine Weingüter. Es gibt auch kleine, wohlgeformte Ringe, die Erbalunga und die vom Meer liebkosten Dörfer darstellen: Sisco und seine 17 Weiler oder Rogliano mit seinen befestigten Burgen. Danach schneidet er die gegenüberliegende Küste mit ihren kleinen Ausbuchtungen aus. Diese beherbergen viele kleine Häfen - oder Marinas -, die so klangvolle Namen wie: Marina von Tollare, Giottani, Albo oder Farinole haben und den Fischern und Seglern treu bleiben, die schon seit langer Zeit die "Einwohner" dieses Kaps sind. Er vergißt nicht, die Namen dieser Dörfer zu notieren, die sich ihre aus meerfarbenen, flachen Steinen gedeckten Dächer erhalten haben. Hier lebt man glücklich in traditionellen Häusern und die "amerikanischen Häuser" verdeutlichen den "Reichtum" der Kinder, die nach "Hause" kamen, nachdem sie ihr Leben in Westindien oder Venezuela verbracht hatten.

Nun entschließt sich der kleine Schuljunge einen Teil der Insel zu zeichnen, dessen Geographie er erst vor kurzem erlernt hat: die Kristallküste Korsikas. Sie erstreckt sich von Saint Florent bis Solenzara und ist wegen ihres wilden, hügeligen, behauenen, hohlen und so seltsam schönen Verlaufs der am schwersten zu zeichnende Teil. Dazu kommen noch acht Golfe, Kaps, Sporne, Buchten und Strände, die von Kaktusfeigen, Heidekraut oder Schilf gesäumt werden. Er weiß, daß sein Bleistift, den er eng umklammert, so wunderschöne Orte wie die Höhlen von Scandola, den Golf von Porto, die felsigen Meeresarme von Piana, die "Iles Sanguinaires" oder der Sporn von Roccapina - bewacht von seinen Löwen aus Granit - erschafft...

Im äußersten Süden der Insel angekommen, zögert das Kind, es möchte zeichnen, aber es kann nicht - es sei denn in kleinen Schritten. Denn hier liegen die üppigen, überwältigend schönen Klippen von Bonifacio, die uns mit ihren Höhlen und Spalten ebenso an bestimmte normannische Landschaften erinnern wie uns die zahlreichen Schafherden auf den Hügeln Saint Florents an die Provence denken lassen.
Er führt sein gezacktes Werk fort, indem er die Inseln von Cavallo und Lavezzi zeichnet, die Umrisse des Golfs von Manza, der Traumbucht von Santa Giulia, des Golfs von Porto - Vecchio, der Stadt, die neidisch auf die Schönheit ihres Golfs zu sein scheint... Es ist sehr schwer, die kleinen Strände und Meeresarme genau zu zeichnen. Sie duften nach Urlaub und funkeln entlang der Küste, während sie in der Sonne zwischen Palombaggia und Pinarello baden.

Dann erscheint die "Perlmuttküste" und die Umrisse des lebhaften Badeortes Solenzara, die die Schieferküste mit der Kristallküste verbindet. Der Ort hat seinen sonnigen Namen (sole = Sonne) von dem Fluß, der stolz darauf ist im Schatten der Gipfel des Bavella-Massivs zu entspringen - dem Juwel des Alta Rocca.

Endlich kann unser kleiner Geograph sein Handgelenk entspannen, um zwischen Solenzara und Bastia die einzige große Ebene Korsikas zu zeichnen. Sie erstreckt sich über ca. einhundert Kilometer angeschwemmten und sandigen Boden, der mit seinen Lagunen und Binnenmeeren (Urbino, Diana, Biguglia) an die Camargue erinnert. Diese riesigen "Seen" waren früher das Königreich der Anophelesmücke.
Es ist dem Kampf gegen die Mücken und einem Bewässerungssystem, das die Versorgung von 23000 Hektar Land ermöglicht, zu verdanken, daß dieses Land (für lange Zeit durch das einzigartige Sumpfgebiet isoliert) wieder Auftrieb bekam. Jetzt gibt es hier große Weingüter und Zitrusplantagen. Auch die Dörfer (die früher nur kleine Weiler waren), wie z. B. Ghisonaccia - Hauptstadt der Ebene - konnten sich durch Landwirtschaft und Tourismus entwickeln. Hier, an dieser Küste - die orientalisch genannt wird - liegt Aleria, die Hauptstadt des antiken Korsikas (ca. 565 V.C).
Voller Stolz blickt der Junge auf seine Zeichnung und möchte sie bunt anmalen. Aber er verzichtet darauf, denn seine Palette scheint nicht auszureichen, um die Vielfalt und den Reichtum des Charakters -aber auch die Leichtigkeit und Transparenz der Konturen dieser Insel, seiner Länder und Gewässer darzustellen...

Die korsische Natur bietet außerdem:
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